w, tags: boston für - unsplash

Gewerbliche Immobilieneigentümer in Boston (USA) sehen sich nach Einsprüchen gegen ihre Bescheide mit stark steigenden Steuern konfrontiert. Grund ist eine kaum bekannte Regel, der sogenannte „ATB-Streitfall“. Eine Auseinandersetzung vor dem Appellate Tax Board (ATB) kann die Steuerlast sogar erhöhen, obwohl der Eigentümer die städtische Bewertung angefochten hat.

Jüngstes Beispiel: Für ein Bürogebäude im Seaport District – einst eine Ansammlung von Parkplätzen und Lagerhallen, heute eines der teuersten und am schnellsten wachsenden Viertel mit zahlreichen Tech-Start-ups – erhöhte die Stadt den Messwert um 12,6 Mio. €. Das führte zu einer Steuererhöhung von mehr als 328.000 € für das Haushaltsjahr 2025.

Büroimmobilien verlieren an Wert, Bewertungen bleiben hoch

Der Markt in Boston bleibt angespannt. Homeoffice, kleinere Büroflächen und leerstehende Gebäude drücken die Immobilienpreise in der ganzen Stadt. Zwar hat die Stadt die Bewertungen leicht gesenkt – um rund 4,5 % bei Class-A-Gebäuden und knapp 13 % bei Class B und C –, doch diese Korrekturen liegen weit unter den realen Verkaufspreisen. Käufer und Investoren erwerben Gewerbeobjekte deutlich günstiger, was die schwache Nachfrage nach Büroflächen widerspiegelt.

Überbewertungen spülen Millionen an zusätzlichen Steuern in die Kasse

Die städtischen Bewertungen für das Haushaltsjahr 2025 summieren sich auf rund 29 Mrd. € und sorgen für Millioneneinnahmen. Fachleute schätzen jedoch, dass viele Bürogebäude um etwa 37 % überbewertet sind.

Dadurch könnten mehr als 200 Mio. € an zusätzlichen Steuern von Gewerbeeigentümern eingezogen werden. Angesichts eines erwarteten Haushaltslochs von 1,5 Mrd. € in den nächsten fünf Jahren wirkt das Festhalten an hohen Werten eher wie Lückenbüßerei denn wie realistische Bewertung.

Stadt verteidigt Methode, doch Zweifel bleiben

Die Verwaltung von Bürgermeisterin Michelle Wu betont, die Bewertungen folgten dem Landesrecht, das den Ertragswert und nicht den Kaufpreis zugrunde legt. Entscheidend sei also, welche Mieteinnahmen ein Gebäude erzielen kann, nicht der zuletzt gezahlte Preis. Viele Eigentümer halten dieses Vorgehen jedoch angesichts steigender Leerstände und sinkender Mieten für überholt.

Eigentümer geraten unter Druck

Steigende Kosten und halb leere Bürohäuser lassen bei den Eigentümern das Gefühl entstehen, ein ungerechtes System vor sich zu haben. Einsprüche, die eigentlich Entlastung bringen sollten, verursachen zusätzliche Ausgaben. Die Frustration wächst – besonders bei Besitzern mittelgroßer und älterer Objekte, die den Wandel in der Flächennutzung am stärksten zu spüren bekommen.