Jüngstes Beispiel: Für ein Bürogebäude im Seaport District – einst eine Ansammlung von Parkplätzen und Lagerhallen, heute eines der teuersten und am schnellsten wachsenden Viertel mit zahlreichen Tech-Start-ups – erhöhte die Stadt den Messwert um 12,6 Mio. €. Das führte zu einer Steuererhöhung von mehr als 328.000 € für das Haushaltsjahr 2025.
Büroimmobilien verlieren an Wert, Bewertungen bleiben hoch
Der Markt in Boston bleibt angespannt. Homeoffice, kleinere Büroflächen und leerstehende Gebäude drücken die Immobilienpreise in der ganzen Stadt. Zwar hat die Stadt die Bewertungen leicht gesenkt – um rund 4,5 % bei Class-A-Gebäuden und knapp 13 % bei Class B und C –, doch diese Korrekturen liegen weit unter den realen Verkaufspreisen. Käufer und Investoren erwerben Gewerbeobjekte deutlich günstiger, was die schwache Nachfrage nach Büroflächen widerspiegelt.
Überbewertungen spülen Millionen an zusätzlichen Steuern in die Kasse
Die städtischen Bewertungen für das Haushaltsjahr 2025 summieren sich auf rund 29 Mrd. € und sorgen für Millioneneinnahmen. Fachleute schätzen jedoch, dass viele Bürogebäude um etwa 37 % überbewertet sind.
Dadurch könnten mehr als 200 Mio. € an zusätzlichen Steuern von Gewerbeeigentümern eingezogen werden. Angesichts eines erwarteten Haushaltslochs von 1,5 Mrd. € in den nächsten fünf Jahren wirkt das Festhalten an hohen Werten eher wie Lückenbüßerei denn wie realistische Bewertung.
Stadt verteidigt Methode, doch Zweifel bleiben
Die Verwaltung von Bürgermeisterin Michelle Wu betont, die Bewertungen folgten dem Landesrecht, das den Ertragswert und nicht den Kaufpreis zugrunde legt. Entscheidend sei also, welche Mieteinnahmen ein Gebäude erzielen kann, nicht der zuletzt gezahlte Preis. Viele Eigentümer halten dieses Vorgehen jedoch angesichts steigender Leerstände und sinkender Mieten für überholt.
Eigentümer geraten unter Druck
Steigende Kosten und halb leere Bürohäuser lassen bei den Eigentümern das Gefühl entstehen, ein ungerechtes System vor sich zu haben. Einsprüche, die eigentlich Entlastung bringen sollten, verursachen zusätzliche Ausgaben. Die Frustration wächst – besonders bei Besitzern mittelgroßer und älterer Objekte, die den Wandel in der Flächennutzung am stärksten zu spüren bekommen.